Es kommt jedes Refit zu früh und endet jedes Refit zu spät, und das ist kein spanisches Phänomen, sondern ein Naturgesetz, das sich durch alle Werften, alle Sprachen und alle Jahrzehnte der Segelgeschichte zieht. Im letzten Beitrag haben wir von den großen Plänen erzählt: Windgenerator, Solar, Lithium, Davits, Windfahnensteuerung, neues Rigg – kurz, Boomer sollte werden, was er immer schon war, nur deutlich besser. Und wir hatten jemanden, der das alles koordinieren würde. Einen Deutschen. In Spanien. Was konnte schon schiefgehen?
Vorschussvertrauen ist auch eine Form von Sport
Der Kostenvoranschlag war hoch, fast schon überirdisch hoch, aber wenn einer alles koordiniert, die richtigen Handwerker kennt, die Fäden in der Hand hält und noch dazu Deutsch spricht, dann ist ein Aufpreis durchaus gerechtfertigt – das sagten wir uns, mehrmals, mit wachsender Überzeugung. Die erste Warnung hätten wir ernster nehmen sollen: Ein anderer Eigner in der Marina hatte beinahe einen kleinen Brand, irgendetwas Elektrisches, angeblich irgendwie verpfuscht, und wir haben das weggewischt mit dem klassischen „uns passiert das sicher nicht.” Zehnmal ließen wir uns versichern, dass das Boot Ende Februar fix und fertig im Wasser liegt, und zehnmal kam die Antwort: „Kein Problem, ist ja noch so lange hin.” Das war der Satz, der uns hätte wachrütteln sollen. Tat er nicht.
Fortschritt: zäh wie katalanischer Kaugummi
Ab Jänner wurde angeblich gearbeitet, die Anfragen häuften sich jedenfalls, und Ende Februar kam die schonungslose Wahrheit: geht sich nicht aus. Neuer Termin: 13. März. Wir flogen also voller Freude an, mit viel Gepäck und der stillen Erwartung, nach vielleicht zwei Wochen Eingewöhnung mit unseren neuen Features von dannen zu ziehen.
Das Schiff schwamm tatsächlich. Erste große Freude.
Dann flackerte das Licht, sobald irgendein Verbraucher betätigt wurde. Dann funktionierte das Warmwasser nicht. Am nächsten Tag fielen Kühlschränke und Heizung auf einen Schlag aus – und bei uns geht vieles, aber ein Schiff ohne Kühlschrank ist eine rote Linie, die nicht zur Diskussion steht.
Der Windgenerator: Rasur auf hoher See inklusive
Als dann Wind aufkam, rauschte der neue Windgenerator so, dass es eine Freude war – leider rauschte er 30 Zentimeter über Kopfhöhe, was für jeden, der sich auf dem Achterdeck bewegt, gelegentlich in einer Welle wankt oder einfach größer als 1,80 ist, eine sehr endgültige Erfahrung hätte werden können. Also alles wieder ab, zurück zum Stahlbauer, neu konzipiert, neu montiert. Der Stahlbauer hat das sauber gelöst und am Ende steht der Generator dort, wo er hingehört – hoch genug, dass man darunter leben kann.
Der Motor: jetzt auch mit Schieflage
Nach dem großen Motorservice – mehr als 60 Arbeitsstunden, sechzig – hatte Ariane ein schlechtes Gefühl, weil der Motor plötzlich schief im Motorraum stand, was vorher nicht der Fall gewesen war. „Alles richtig”, hieß es, der Experte hätte das so gemacht. Ob derselbe Experte auch verantwortlich war, dass der Rückwärtsgang anschließend nicht mehr einzulegen war und der Motor danach im Vorwärtsgang einen Lärm machte wie ein verärgerter Dieselkoloss – wir wollen es glaube ich gar nicht wissen. Das Schiff musste aus dem Wasser, die erste offizielle Theorie des Werftbesitzers lautete, der Propeller sei vorher so verschmutzt gewesen, dass er jetzt – endlich sauber – diese unanständigen Geräusche von sich gäbe. Es war nicht der erste April, wirklich nicht. Am Ende wurde der Motor neu und wieder gerade ausgerichtet, die verbleibende Unwucht toleriert – von mir jedenfalls. Ariane ist da konsequenter, und ich denke, unser Propeller bald Geschichte.
Die Borddurchlässe: ein Lehrstück in Kreativität
Borddurchlässe prüfen und schadhafte tauschen stand im Auftrag, wurde auch gemacht, und bei zweien wurde der Tausch zwar empfohlen, aber nicht ausgeführt – mit der Begründung, diese Teile würden nicht mehr produziert. Empfehlung des Hauses: Kühlschränke auf Luftkühlung umbauen lassen, Schiff raus, neue Standarddurchlässe rein. Irgendwann wurde ich dann misstrauisch genug, selbst die Suchmaschine zu bemühen, und natürlich gibt es die Teile – online, problemlos bestellbar. Manchmal muss man eben selbst suchen.
Was wirklich funktioniert hat
Um der Vollständigkeit willen, und weil man das nicht unterschlagen soll: Es gab Gewerke, die haben ihren Job tadellos gemacht. Das neue Rigg wurde von Port Ginesta Rigging eingebaut – handwerklich einwandfrei, termingerecht, keine Nacharbeit. Andreas Hanakamp als Segelmacher hat geliefert, was er versprochen hat und noch mehr. Flog einen Tag aus Österreich ein, um alles einzurichten – ein Traum. Und der Stahlbauer hat am Ende sowohl den Windgenerator vernünftig in Position gebracht, als auch schöne Davits gebaut, Denke, die Planung gehört nicht ihm. Man muss also schon die Kirche im Dorf lassen: Es gab Profis und tolle Persönlichkeiten in diesem Projekt, und die haben ihren Teil gut gemacht.


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