Teil 3: Mallorca, der Inverter und das Ende der Unschuld

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Irgendwann war es Zeit – nicht weil alles fertig war, sondern weil wir nicht mehr warten wollten, bis Phantomströme aus unserem System herausprogrammiert würden, was das auch immer bedeuten sollte. Ostern auf Mallorca klang nach einem Plan, nach einem echten Plan, nach sehr langer Zeit.

Das Instrument: schwarz wie die Seele nach sechs Wochen Refit

Startbereit. Motor an. Und das Display – schwarz. Nicht „ein bisschen dunkel”, sondern komplett schwarz, kein Licht, kein Leben, keine Warnanzeigen, nichts. Für ein Offshore-Schiff, das man in Kürze über das Mittelmeer bewegen will, ist ein blinder Instrumentenblock kein Kavaliersdelikt.

Der lokale Volvo-Händler war rasch von der Werft kontaktiert und noch rascher ernüchternd: dieses Teil werde nicht mehr produziert, der Nachfolger koste 2.400 Euro zuzüglich 21 % MwSt., und außerdem: Semana Santa. Da gehe gar nichts mit einer Bestellung. So ist Spanien. Also selbst die Volvo Penta Parts Homepage durchsucht, das richtige Teil gefunden – noch immer stolze 700 Euro, Plug and Play – in Holland bestellt, Express, am Tag nach Ostern geliefert, läuft seitdem problemlos. Manchmal muss man eben selbst ran.

Die Überfahrt: endlich Segeln

Die Überfahrt nach Mallorca war schön, wirklich schön.Klingt nach Understatement, ist aber die ehrliche Wahrheit – Windfahnensteuerung perfekt, Sonne, gute Stimmung, und zum ersten Mal seit Wochen das Gefühl, dass das alles vielleicht doch einen Sinn ergibt. Die Davits waren noch eine kleine Katastrophe, aber da war auf unserer Seite auch noch Luft nach oben, was die Montage des Beibootes betrifft.

Dann, auf den letzten Meilen unter Motor, beim entspannten Internetsurfen war auf einmal das Internet weg, und auf dem Inverter-Display stand: Fault. Keine Bedienungsanleitung mitgegeben worden, kein Handbuch an Bord, aber sicher nichts Gutes – das war klar. Also rein in die Ankerbucht bei Pollença und um ein Uhr morgens Victron-Experten gegoogelt und angeschrieben.

Herr Kreuzer: der Retter, pünktlich am Dienstag

Einer antwortete um halb sechs in der Früh, und allein das war schon ein Zeichen. Die Tatsache, dass er erst 5 Tage später, am Dienstag, kommen könnte, weniger – aber die Alternative, eine 24/7-Firma, die nach mehr als einer Woche einen Ersttermin zur Fehlersuche anbot, für mehr als 800 Euro Startgebühr, ließ uns dann doch gerne warten.

Der Dienstag kam, und mit Herrn Kreuzer von kreuzer.es haben wir wirklich eine gute Wahl getroffen: kompetent, hilfsbereit, erreichbar, nur gut gebucht. Der Inverter war kaputt und musste getauscht werden – was das mit der Gewährleistung wird, ist eine andere Geschichte für einen anderen Beitrag. Das neue Gerät wurde am Sonntag eingebaut, und am selben Wochenende wurde auch das Rätsel der Solaranlage gelöst.

Keine Phantomströme – nur falsche Kabel

Wir erinnern uns: Die neuen Solarmodule erzeugten exakt so viel Strom, wie sie selbst verbrauchten, und die offizielle Erklärung lautete „Phantomströme im System, nur eine Programmiersache.” Eine Facebook-Gruppe und Herr Kreuzer lösten das Problem gleichzeitig und mit derselben Antwort: schlicht eine falsche Verkabelung, plus direkt an die Batterie und am System vorbei, da weiß dann – wie im wirklichen Leben – im System eine Hand nicht, was die andere tut. Keine Phantomströme. Nur handwerkliche Kreativität an einer Stelle, an der man sie am wenigsten braucht.

Montag Nachmittag, Kurs Menorca

Es ist Montag, Wind mit 13 Knoten von 50 Grad, strahlender Sonnenschein, und Boomer segelt Richtung Menorca, um dann das Windfenster nach Sardinien zu nehmen. Die Windfahnensteuerung hält staubtrocken und ohne Energieverbrauch den Kurs, das Windrad produziert genau den Strom, den die Navigation und die Hauselektrik gerade brauchen, und Menorca wird am Horizont langsam größer.

Herr Kreuzer hat gerade nachgefragt, ob alles passt, ob er nochmals kommen und etwas einstellen soll.

Was bleibt

Wir reden uns ein, dass es bei jedem Refit so läuft, und vielleicht stimmt das sogar. Was sicher stimmt: Wir kennen unser Schiff jetzt sehr viel besser, als wir es jemals kennen würden, hätte alles reibungslos geklappt. Und wir haben etwas gewonnen, das man nicht bestellen kann und in keinem Kostenvoranschlag auftaucht: Menschen. Im Hafen von Torredembarra hat sich über die Wochen eine kleine, aber erstaunlich enge Gemeinschaft gebildet – andere Eigner, die derselben Werft vertraut hatten, mit denselben Erfahrungen, denselben Fragen und demselben Galgenhumor. Man trifft sich am Steg, tauscht Informationen aus, lacht über Dinge, über die man eigentlich nicht lachen sollte, und merkt irgendwann, dass man sich wirklich mag. Wir sind noch in Kontakt, und wer weiß – vielleicht entwickelt sich da noch die eine oder andere Freundschaft, die länger hält als die Erinnerung an den ganzen Frust.

Und Segeln am Nachmittag bei gutem Wind lässt erstaunlich viel vergessen. Das bleibt auch.

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