Seit zwei Monaten sind wir jetzt schon mit Boomer unterwegs – und siehe da: Wir haben uns nicht nur gegenseitig, sondern auch unseren schwimmenden Untersatz ziemlich gut kennengelernt. Sogar unsere Ankerphobie haben wir irgendwo auf dem Grund des Ärmelkanals versenkt. Man staune: Nicht nur die Anker der anderen halten – auch unserer! Inzwischen schlafen wir nachts wie Murmeltiere, während Boomer gemütlich um seinen Anker herum schwoit.
Nur eine Woche lang waren wir Boomer mal untreu: London lockte – er selbst durfte derweil in Weymouth vor Anker chillen. Ein bisschen Auszeit muss auch für eine Hallberg-Rassy mal sein.
Nachdem wir England ausgiebig besegelt, alle möglichen Herausforderungen mit Bravour (und gelegentlichem Fluchen) gemeistert haben, wurde es Zeit für die vierte Querung des Englischen Kanals. Diesmal aber wirklich Richtung Süden! Vorher haben wir uns noch einmal die Südbretagne vorgenommen – ein echter Leckerbissen für Segler: dramatische Küsten, charmante Städtchen, gutes Essen.
Die Tidenhübe hier sind zum Glück nicht mehr so furchteinflößend wie in der Normandie, und die Strömungen benehmen sich meist auch halbwegs. Trotzdem tauchen bei Ebbe immer wieder spitze Felszähne auf, die nur darauf warten, sich in Boomers Bauch zu verewigen. Wir bleiben also wachsam!
Natürlich wurde auch geschraubt und gefrickelt, wie es sich gehört. Ein defektes Relais für die Winsch? Ersetzt. Eine kleine Öllache in der Motorbilge? Schockschwerenot! Aber halb so wild – die Spurensuche führte zu einer spröden Gummikappe, die sich heimlich verabschiedet hatte. Ersatz zu finden? Abenteuer pur: eine Stunde zu Fuß zum Volvo-Penta-Händler, Expressbestellung, am nächsten Tag das Teil im Nachbarshop für die Hälfte gefunden – Seglerkarma vom Feinsten.
Und dann war da noch Salzwasser in der Bilge. Verursacher: eine altersschwache Dichtung der Ankerwinsch. Boomer hat halt schon 18 Jahre auf dem Buckel – da darf mal was tropfen. Unser bewährtes Bordmittel: Fugendichtung Sika-Flex – das Zeug hat schon so manches Problem in Sekunden gelöst. Und hinterlässt zuverlässig nachhaltige Flecken an meinem Mann.
Bald geht’s stracks weiter Richtung Mittelmeer. Die spanische und portugiesische Küste wollen wir so flott wie möglich hinter uns lassen – schön weit draußen auf Höhe des 10. Breitengrads, um möglichst keine unliebsame Begegnung mit Orcas zu riskieren. Aber das ist eine Geschichte für ein andermal …
Bis dahin genießen wir noch die wunderschöne Südbretagne – und den Luxus, nachts friedlich zu schlafen, während Boomer um seinen Anker tanzt.
Eure Ariane

