Winterlager – oder: Der Traum vom gepflegten Refit

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Es kommt jedes Jahr zu früh und hört jedes Jahr zu spät auf: das Winterlager. Ein saisonales Gesetz der Grausamkeit, das Segler mit der Wirklichkeit konfrontiert. Diesmal hat es uns nach Torredembarra verschlagen – nicht ganz wie geplant, aber immerhin mediterran und Spanien.

Eigentlich wollten wir in Cartagena überwintern: schöne Stadt, gute Werft, alles fein gedacht. Aber Pläne sind auf See bekanntlich eher Vorschläge – und so sind wir in Torredembarra gelandet. Wo? Zwischen Barcelona und Tarragona, was geografisch immerhin schick klingt.

Warum der Wechsel? Ganz einfach: Wir haben gemerkt, dass es noch ein paar Dinge gibt, die wir anpassen müssen, bevor Boomer in den Atlantik abbiegt. Und in Torredembarra gibt’s jemanden, der nicht nur Ahnung hat, sondern auch Deutsch spricht. Ein echtes Asset. Oder wie wir sagen würden: Gold wert, wenn man nicht jedes Bauteil auf Spanisch nachschlagen will.

Torredembarra – schöner Schein, leere Gassen

Ein Ort mit traumhaftem Strand, ideal für Sommerpostkarten. Dumm nur, dass wir im Oktober kamen. Da war der letzte Sonnenschirm schon eingemottet. Ab November ist die Infrastruktur dann auf „Winterschlaf“ gestellt – Bäcker geschlossen, Cafés verwaist, ein paar versprengte Segler unter sich. Aber immerhin: Tarragona ist gleich ums Eck – eine Stadt, die römische Geschichte, Kathedralen, Märkte und Rambla-Spaziergänge zu einem stimmigen Paket verbindet. Herz, was willst du mehr?

Refit ahoi – die große Checkliste

Zurück zur harten Realität unter Deck. Es wird teuer. Wahrscheinlich teurer als befürchtet. Aber gut – das ist ja beim Segeln fast schon Tradition: Die schönste Art, Geld effektiv und nachhaltig zu verbrennen.

  • Motorservice – größer als erwartet, hoffentlich kleiner als befürchtet
  • Hydraulik – noch nie gewartet, ich sag mal aus Aberglaube
  • Rigg – kommt neu, weil: Atlantik, lieber auf Nummer sicher
  • Generator – 18 Jahre alt, 16 Stunden drauf, wirkt wie neu – ist aber trotzdem dran
  • Wasserauslässe – haben ihre 18 Jahre auf dem Buckel und lieber zweimal checken
  • Ein paar klassische Hoppalas – die sich beim näheren Hinsehen als „interessant“ entpuppen

Investitionen in die Zukunft

  • Energieversorgung – Wir wollen unabhängig sein und das heißt:
    • Solarpaneele
    • Windgenerator
    • Lithium-Batterien statt Blei und Hoffnung
  • Autopilot & Steuerung – Atlantik = keine Lust auf 24 Tage Handsteuerung. Nach langem Ringen (und einer YouTube-Odyssee) fiel die Entscheidung zugunsten einer Windfahnensteuerung. Die braucht keinen Strom, macht keinen Lärm und funktioniert genau dann, wenn der Autopilot Urlaub macht (also bei achterlichem Wind und viel Welle). Und: Sie dient auch noch als Notruder. Win-win.
  • Davits & Hebeanlage – nach einem Bandscheibenvorfall beim Außenborderwassern war klar: Das muss bequemer gehen. Also: Davits fürs Dinghi, Hebeanlage für den Motor – Rücken first!
  • Weitere Upgrades – stärkere Ankerkette, ein bisschen Zubehör hier, ein bisschen Sicherheit da. Du kennst das Spiel.

Dauerbrenner: Wassermacher, ja oder nein?

Großes Thema. Ich bin der Meinung: Einmal Atlantik geht auch ohne. Wasser bunkern, diszipliniert sparen – fertig. Leider bin ich mit dieser Meinung recht allein an Bord. Ich vermute, wie das ausgeht 😉

Große Pläne, viele Ideen

Der Begriff „Atlantik“ fiel jetzt schon öfter – und das mit gutem Grund. Wir haben uns für die ARC Plus 2026 angemeldet! Start ist am 8. November von Gran Canaria über die Kapverden nach Grenada. Wie’s danach weitergeht? Keine Ahnung. Viele Ideen, wenig Konkretes – ganz normal im Seglerleben.

Was sicher ist: Im Frühling geht’s nochmal durchs Mittelmeer (wir müssen dringend wieder einmal ein Mythos zu den Souvlaki trinken). Im Sommer liegt Boomer dann irgendwo bei Gibraltar – ein paar Sachen wird es sicher noch geben…

Bleibt uns gewogen – und schaut mal auf www.sailing-boomer.com vorbei. Wir freuen uns auf Austausch, Tipps und einen gemeinsamen Mythos irgendwann in einer Bucht dieser Welt.

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